Der springende Punkt beim heiligen Martin

(von Yvonne Püttmann)

Ihr kennt sicherlich die  Legende von St. Martin!?
Da ist im 4. Jahrhundert ein römischer Soldat mit prunkvoller Uniform und Pferd. Der trifft auf einen armen Mann, der wenig an hat und friert. Der Soldat Martin teilt seinen Mantel in zwei Hälften und gibt eine Hälfte dem frierenden Mann. Pure Nächstenliebe. Die moralische Geschichte zum Gebot des Teilens ist geboren. Wer (viel) hat, soll denen geben, die wenig haben. 


Eine Geschichte, die auch ohne Religion funktioniert. Verpackt in den Martinsumzügen, ist es auch noch etwas fürs Gefühl.
Aber dieser römische Soldat Martin wird von der Kirche als Heiliger verehrt. Hinter dieser etwas sarkastischen Zusammenfassung der Martinsgeschichte steckt nämlich mehr. Das ist auch der Grund, warum der römische Soldat Martin heute als heiliger Martin bekannt ist.

Das Entscheidende wird in den meisten Martinsspielen nicht erwähnt:
In der folgenden Nacht erscheint Jesus Martin im Traum. Und er trägt den halben Mantel, den Martin dem Armen gegeben hat. Martin hat also nicht einen einfachen Bettler bekleidet, sondern Jesus!

Dieser römische Soldat erlebt das, wovon Jesus vor seinem Tod spricht: „ich war nackt und ihr habt mir etwas anzuziehen gegeben“ (Mt 25,36). Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Mitmenschlichkeit und christlichem Handeln: In meinem Gegenüber begegne ich Gott und erkenne, dass in mir selber auch Gott aufscheint! Wenn ich etwas aus Nächstenliebe tue, dann ist Gott mit dabei. Dann trage ich einen Teil dazu bei, dass die Welt etwas göttlicher und heiliger wird!

Also: Laterne schnappen, raus auf die Straße, Lieder mitschmettern, Stutenkerl/ Martinsgans/ Martinsbrezel/ Weckmann/… essen und sich an den schönen Martinsbräuchen freuen!

Noch mehr Legenden und Infos rund um St. Martin findet ihr hier.


Bild von Frankieboy auf Pixabay