"Deutsches Haus"

27.01. - Befreiungstag des KZ Auschwitz

(von Peter Lauschus)

Der 27. Januar ist der Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Datum wurde gewählt, weil es der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist.
Das nun auch verfilmte Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ oder die Tagebücher Anne Franks oder Viktor Klemperers können einen Einblick in diese Zeit geben. Eine Flut von wissenschaftlichen Büchern kann helfen, die verschiedenen Formen von Gewalt und Verfolgung, das Elend des „Dritten Reiches“ kennen zu lernen. Aber auch Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten und Theaterstücke sind wichtige Quellen, um das eigentlich Unbegreifliche ansatzweise zu begreifen.
Das Buch „Deutsches Haus“ von Annette Hess spielt zwar fast 20 Jahre nach dem Ende des Regimes, aber es nimmt einen wichtigen Aspekt in den Blick:

 

Was geschah danach?

 

Direkt nach dem Krieg sprach fast niemand über das Geschehene. Erst 1963 begann mit dem ersten Auschwitzprozess die Aufarbeitung. Eva Bruhns, eine Dolmetscherin für Polnisch, wird gebeten im Vorfeld des Prozesses Übersetzungen anzufertigen. Ihre Familie und ihr Verlobter wollen das nicht, aber sie setzt sich durch. Während ihrer Arbeit dringt sie immer tiefer in die Abgründe menschlicher Bosheit vor und muss feststellen, dass sie und ihre Familie tiefer in das Geschehen involviert waren, als sie es sich hätte vorstellen können.

Die unterschiedlichen Figuren des Romans bieten ein breites Panorama der Verwicklung und der Reaktion auf das Geschehen. Niemand ist unberührt geblieben. Ich finde, dass dieses Buch eine wichtige Stimme ist in einer Zeit, die in der Gefahr steht, einen Schlussstrich ziehen zu wollen, und in der es Politiker gibt, die das „Dritte Reich“ zu einem Vogelschiss in der deutschen Geschichte verharmlosen wollen. Wie schwer es ist, ja fast unmöglich, sich von dieser Zeit zu distanzieren, zeigt eine kleine nebensächliche Szene: Auf einem Weihnachtsmarkt singt ein altes Paar leise das Lied: „Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud. Übers schneebeglänzte Feld wandern wir, wandern wir durch die weite weiße Welt…“ Auch der Autorin ist dabei wohl nicht bewusst, dass dies die Nazi-Version eines alten Sternsingerliedes ist.
Das Buch ist eine lohnende Lektüre.