Geistliche Verbandsleitung?

Das Amt der Geistlichen Verbandsleitung hat so seine Vorteile. Uns sind diese eingefallen:

 

  • Vielleicht kennst du das: Manchmal ist es gar nicht so leicht, vor anderen zu beten oder über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen. Eine gewählte und beauftragte Geistliche Verbandsleitung bekommt von dir „Auftrag“ und „Rückhalt“. Denn sie weiß durch deine Wahl und durch die bischöfliche Beauftragung: „Wir möchten und trauen dir zu, dass du für und mit uns eine besondere Verantwortung für „das gelebte K“ übernimmst.“
  • Die Geistliche Verbandsleitung steht innerhalb des Vorstandes als Person für das Thema Glaube, Spiritualität und Kirche. Sie setzt in deinem Verbandsalltag die Brille auf: „Was hat das mit Gott zu tun?“ Ganz egal, ob du auf Ferienfreizeiten fährst, dich einfach nur triffst, mit anderen spielst und feierst, lachst und streitest oder dich sozial engagierst: Die Geistliche Verbandsleitung steht dir als Ansprechpartner*in in allen Fragen rund um Gott, Glaube und Kirche, als Glaubenszeug*in und auch als Diskussionspartner*in zur Verfügung. Sie möchte mit dir über deinen Glauben, deine Zweifel, deine Meinungen, Hoffnungen und Sorgen, auch deine Kritik ins Gespräch kommen. Darüber kann man sicherlich mit verschiedenen Menschen ins Gespräch kommen, mit Gleichaltrigen, mit den jüngeren Kindern oder den älteren Jugendlichen in deinem Verband, mit deinen Gruppenleitungen; mit mehr oder weniger Vertrauten. Aber die Person, die sich zur Wahl als Geistliche Verbandsleitung stellt, signalisiert dir: „Wenn du mit mir über Gott und Kirche reden oder auch streiten willst, dann nervt mich das nicht, dann ist mir das nicht peinlich, sondern im Gegenteil: Dann freue ich mich darüber! Dann höre ich dir zu, nehme dich ernst und stehe dir Rede und Antwort.“
  • Christlicher Glaube bedeutet für viele Menschen Hoffnung und Zuversicht und macht junge Menschen stark, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Wir können mit Religion aber auch Schaden anrichten. Denn manche Vorstellungen von Gott machen Angst und üben Druck auf unsere Mitmenschen aus. In unserem Erzbistum werden Geistliche Verbandsleitungen nur dann beauftragt, wenn sie bestimmte Ausbildungsanforderungen erfüllen. Das heißt nicht, dass eine Geistliche Verbandsleitung Religion studiert haben muss. Aber wer bei uns beauftragt werden möchte, soll reflektieren, warum und wie er*sie Geistliche Verbandsleitung sein möchte. Und er*sie soll Grundlagen lernen, wie Kindern und Jugendliche glauben und wie ihnen Glaube eröffnet und offengehalten werden kann. Durch Ausbildung und Vernetzung besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Personen, die diese Rolle wahrnehmen.
  • Geistliche Verbandsleitungen lernen auch, ihre Grenzen zu erkennen. Manchmal gibt es in Kirche Hobbyseelsorger*innen, die meinen, sie könnten alle Fragen und Probleme lösen. Durch die spezielle Rolle der Geistlichen Verbandsleitung wird jedoch Rollenklarheit im jugendpastoralen Bereich gefördert: Geistliche Leitungen reflektieren wie Gruppenleitungen ihre Rolle und die an sie herangetragenen Erwartungen. So können sie auch ihre eigenen Grenzen erkennen und im Zweifel an professionelle Seelsorger*innen oder andere Profis weitervermitteln.
  • Manchmal gehen Erwartungshaltungen daran auseinander, was christlich, kirchlich, katholisch ist. Dann hat der Pfarrgemeinderat oder die alte Dame, die jeden Tag am Gottesdienst teilnimmt, vielleicht andere Vorstellungen als ihr davon, ob ihr als Jugendverband „christlich genug“ seid oder nicht. Die Geistliche Verbandsleitung ist nicht dein frommes Alibi, das in den Sonntagsgottesdienst geht, damit du nicht auftauchen musst. Aber die Geistliche Verbandsleitung setzt sich dafür ein, den Kontakt zwischen deinem Jugendverband und anderen kirchlichen Orten zu halten und zu fördern und bei Konflikten zu vermitteln.
  • Vielleicht bist du total glücklich mit deinem Pastor und möchtet ihn zur Geistlichen Verbandsleitung wählen. Aber dass er dein Pastor geworden ist, darauf hattest du keinen Einfluss. Deine Geistliche Verbandsleitung wählst du demokratisch. Du entscheidet: „Wen halte ich für glaubwürdig und geeignet, meinen Verband in Fragen rund um Gott und Kirche zu begleiten?“ Das kann ein*e Ehrenamtliche aus deinen Reihen, das kann ein Priester oder ein*e Gemeindereferent*in sein.